13 Sekunden Langzeitbelichtung mit Graufilter. Bearbeitet in Lightroom
Technologie

Auf Reise mit dem Canon RF 24-240mm – Bericht aus der Praxis

Canon RF 24-240mm bei 83mm, ISO 200, f 16, 8 Sekunden Langzeitbelichtung
Canon RF 24-240mm bei 83mm, ISO 200, f 16, 8 Sekunden Langzeitbelichtung

Wenn es mal wieder auf Reise geht, dann hat man als Hobbyfotograf immer die Qual der Wahl welche Objektive man nun mit nehmen möchte. Das ist natürlich abhängig von vielen Faktoren und es gibt da keine allgemeingültige Lösung. Einige Personen gehen nur mit einer Festbrennweite, z.B. mit 35mm auf Tour um möglichst wenig Gepäck zu haben und sich nicht noch auf die Objektive konzentrieren zu müssen, andere schleppen das 24-70mm und das 70-200mm mit sich herum, eventuell noch mit Lichtstärke 2.8 und dann auch dem entsprechenden Gewicht. Das kann schon mal ordentlich schwer werden und braucht auch Platz, da ist man mit 35mm leichter unterwegs, aber wenn das Motiv zu weit weg ist, dann ist es halt zu weit weg. Zoomen ist nicht.
Dann gibt es da ja noch die Kategorie der Superzoom-Objektive, auch Reiseobjektive genannt oder in Fachkreisen verrufen als „Suppenzoom“, da sie immer unscharf sind, bzw. meistens nur von Personen genutzt werden, die nur im A-Modus fotografieren, sich sonst aber nie mit der Kamera beschäftigt haben.

Ich selbst habe schon Reisen nur mit 35mm sowie auch mit 24-105mm und 70-200mm (aber nicht 2.8 😉 ) unternommen. Beides hat schon Vor- und Nachteile.
Irgendwann hat es mich dann mal kurz zu Sony verschlagen und für eine Reise holte ich mir das Sony 24-240mm. Beides ging dann aber weg, da mir Sony an sich nicht gefallen hat. Mit der neuen Canon EOS RP kam dann endlich eine Kamera auf den Markt die mir sehr zusagt und dazu wurde noch das RF 24-240mm angekündigt. Coole Sache, denn mit dem Sony 24-240mm war ich ganz zufrieden. Also direkt das Canon RF zum Marktstart gekauft und zwei Wochen später ging es schon in den Urlaub. Von den Erfahrungen möchte ich jetzt hier etwas berichten. Dazu wird es sicherlich auch den ein oder anderen Vergleich zur Sony Version des Objektives geben.
Es wird dabei aber nicht die Bildqualität bis ins kleinste Detail analysiert und Vergleichsfotos gemacht. Das können andere besser, ich schreibe hier einfach über meine Erfahrungen mit dem Objektiv.

Erster Eindruck des Objektivs

Canon RF 24-240mm bei 24mm, ISO 100, f 9, 1/320, Nachbearbeitet in Lightroom
Canon RF 24-240mm bei 24mm, ISO 100, f 9, 1/320, Nachbearbeitet in Lightroom

Ich habe das Objektiv wie gesagt zum Marktstart gekauft, da ich es direkt für die nächste Reise haben wollte. Daher gab es zu der Zeit natürlich noch keine Angebote auf dem Gebrauchtmarkt, auf dem ich sonst gerne Objektive kaufe. Die UVP von Canon beträgt 999€, es war aber zum Marktstart schon etwas günstiger zu haben. Das Objektiv wird allerdings ohne Streulichtblende geliefert. Diese ist für mich gerade auf Reisen aber sehr wichtig, da sie eine gewisse Schutzwirkung für das Objektiv hat. Durch die Streulichtblende können Stöße abgefangen werden die ansonsten direkt das Objektiv betreffen.
Da ich mein Sony Objektiv gebraucht gekauft hatte weiß ich nicht, ob Sony die Streulichtblende dazu liefert. Ich hatte beim Sony jedenfalls auch eine.
Ansonsten unterscheiden sich die Objektive beide nicht sehr voneinander. Sie sind für die Brennweite und Lichtstärke sehr kompakt. Beim Zoom fahren beide Objektive aus und werden natürlich deutlich länger.
Nützlich ist beim Canon der Knopf zum Befestigen, damit das Objektiv nicht automatisch ausfährt wenn man es nach unten hängend um sich trägt. Das funktioniert allerdings nur bei 24mm, also muss man die Sicherung immer erst wieder lösen wenn man zoomen möchte, was man gerade am Anfang gerne mal vergisst.
Ansonsten hat das Objektiv noch einen Einstellring, den ich aber bisher noch nicht genutzt habe. Damit kann man z.B. die Blende am Objektiv einstellen oder auch fokussieren.

Billig fühlt sich das Objektiv meiner Meinung nach nicht an. Es hat ein angenehmes Gewicht, der Zoom läuft flüssig und es sitzt fest an der Kamera. Gerade bei Sony liest man da ja schon öfters mal davon, dass die Objektive etwas Spiel zum Bajonett haben.

Auf der Reise mit dem Canon RF 24-240mm

13 Sekunden Langzeitbelichtung mit Graufilter. Bearbeitet in Lightroom
13 Sekunden Langzeitbelichtung mit Graufilter. Bearbeitet in Lightroom

Schon zu Beginn der Reise zeigt sich der Vorteil des Reisezooms. Am ersten Touristenhotspot ausgestiegen kann man mit 24mm schon die großen Gebäude einer Großstadt fotografieren und mit bis zu 240mm dann direkt auch noch Portraits der Einheimischen machen. Das alles vom gleichen Punkt aus. Natürlich könnte man sich auch bewegen, aber auch hier kommt das wieder auf die Situation an. Ich fotografiere auch gerne Personen. Bei Reisen in ärmeren Gebieten Asiens ist mir aber aufgefallen, dass diese Personen sich sofort verstellen wenn sie eine Kamera sehen. Ich möchte aber meistens den natürlichen Augenblick fotografieren, daher ist es besser nicht von den Personen entdeckt zu werden (Hinweis: Immer drauf achten ob die Personen auch fotografiert werden wollen!).
Die lange Brennweite ist also nützlich um aus der Ferne ein authentisches Verhalten zu fotografieren. Richtige Street-Fotografen können das sicherlich auch mit 35mm, ich aber nicht, daher ist das schon sehr nützlich.

Freistellung und Lichtstärke

Canon RF 24-240mm bei 240mm, ISO 640, f 6,3, 1/250 in Lightroom nachbearbeitet
Canon RF 24-240mm bei 240mm, ISO 640, f 6,3, 1/250 in Lightroom nachbearbeitet

Wenn ich Tiere fotografiere, dann möchte ich nicht unbedingt zu viele von Menschenhand erschaffene Gegenstände im Bild haben. Am liebsten soll es so aussehen, als hätte ich das Tier in der freien Natur fotografiert, was aber nicht immer möglich ist. Da hilft natürlich eine gute Freistellung des Objekts, so dass der Hintergrund unscharf ist. Das ist mit dem Canon RF 24-240mm aufgrund der geringen Lichtstärke nur bedingt möglich. Bei 240mm hat man eine Blende von 6.3, damit ist eine gewissen Freistellung schon möglich, wenn das Objekt weit genug vom Hintergrund entfernt ist. Man braucht halt auch viel Licht, wobei der Bildstabilisator hier schon ordentlich hilft. Ich habe eigentlich wenig verschwommene Fotos gehabt, wobei ich auch meistens aufgrund der sich schnell ändernden Lichtsituation mit der Blendenautomatik fotografiert habe.
Auf dem Beispielfoto ist ein Affe, der in der Realität etwas kleiner als ein Eichhörnchen ist.
Tiere haben ja auch einen Fluchtreflex wenn man zu nah an sie ran kommt (bzw. im Falle des Affen musste man dann eher mit einem Angriff rechnen). Daher ist gerade bei Tieren die lange Brennweite sinnvoll.
Spät abends kommt es dann allerdings doch schon mal zu Problemen aufgrund der fehlenden Lichtstärke. Da bin ich dann auch mal auf das Canon RF 35mm 1.8 umgestiegen. Das ist dann wirklich ein Kompromiss den man eingehen muss. Daher sollte man sich vor der Reise eventuell überlegen ob man mehr am Tag oder Nachts fotografiert. Bei einigen Ländern wird es ja schon sehr früh dunkel. Ich finde aber gerade Nachts hat die Unschärfe von Blende 1.8 einen besonderen Reiz.

Gewicht und Transport

Im Urlaub bin ich viel gelaufen. Die Kamera fast immer dabei. Andere Kameras kann man mal schnell in die Jackentasche stecken, dass funktioniert bei einer Vollformatkamera mit so einem Objektiv natürlich nicht, trotzdem ist die Kombination aus Canon EOS RP und Canon RF 24-240mm immer noch sehr kompakt. Meistens hatte ich die Kamera in einem kleinen Rucksack, bei längeren Touren auch mal in einem größeren Fotorucksack. Platz für andere Sachen war immer noch genug da, vor allem im Vergleich zu meinen Reisen mit dem 24-105mm und 70-200mm….

Nachtaufnahme Canon RF 24-240mm bei 123mm, ISO 6400, f6,3, 1/320 unbearbeitet
Nachtaufnahme Canon RF 24-240mm bei 123mm, ISO 6400, f6,3, 1/320 unbearbeitet

Die Kombination ist halt etwas länger als z.B. eine Spiegelreflexkamera mit 18-55mm Kit, lässt sich dafür aber besser tragen finde ich, da sie insgesamt nicht so klobig ist.
Wenn die Kamera regelmäßig gebraucht wird habe ich sie an einem Sunsniper Kameragurt. Der ist meiner Meinung nach viel praktischer als die normalen Kameragurte, da man die Kamera so vor und hinter sich tragen kann (gerade in Menschenmengen nützlich, wenn man die Kamera im Auge vor sich oder beim Schlängeln durch die Menge im Schutz hinter sich haben möchte). Daran macht sich die Kombination auch ganz gut, man kann sie lange tragen, ohne dass es unangenehm wird.

Nachbearbeitung der Fotos

Vignette bei 24mm, Foto unbearbeitet
Vignette bei 24mm, Foto unbearbeitet

Die Bildqualität kann man auch bei der EOS RP erst am PC-Bildschirm später so richtig beurteilen. Mit den Bildern bin ich persönlich sehr zufrieden. Gerade bei Fotos gegen Abend bei wenig Licht hatte ich bedenken, allerdings unbegründet. Durch den guten Bildstabilisator im Objektiv brauchte ich selten mit den ISO-Werten sehr hoch gehen.
Die Details der Fotos sind ebenfalls sehr gut, kommen natürlich nicht an die L-Objektive oder sogar das RF 35mm 1.8 ran. Insgesamt scheinen die RF-Objektive aber wirklich eine sehr hohe Leistung zu haben.
Einen negativen Punkt muss ich hier jedoch ansprechen, da er mich schon etwas stört.
Ich habe viele Fotos mit 24mm gemacht. Auf dem Kameradisplay sahen die Fotos gut aus. Auf dem PC haben diese aber eine sehr starke Vignette. Zu diesem Verhalten gab es vorher schon Gerüchte im Internet bei denen behauptet wurde, dass die Fotografen die Streulichtblende falsch auf dem Objektiv angebracht hätten. Das ist aber definitiv nicht der Fall. Canon hat hier wohl Probleme bei der Kompaktheit des Objektives gehabt und entfernt diese Vignetten durch diverse Korrekturen und Beschnitt beim JPG in der Kamera. Wenn man wie ich dann allerdings in RAW fotografiert sieht man diese Vignette später am PC. Das ganze scheint wie gesagt vermutlich an der kompakten Bauweise zu liegen. Bei meinem Sony 24-240mm hatte ich dieses Problem nicht. Allerdings ist da nicht klar, ob Sony eventuell nicht auch korrigiert hat und dies vielleicht sogar im RAW.
Insgesamt lässt sich damit aber leben, wenn man sich über dieses Verhalten im Klaren ist. In Lightroom kann man das ganze durch Objektivkorrekturen und Beschnitt nachträglich auch noch korrigieren, auch wenn es nicht so schön ist.

Das ganze klingt erst einmal sehr negativ, betrifft aber wie gesagt nur einen kleinen Teil des Weitwinkelbereichs. Man schreibt ja immer mehr über die negativen Sachen als die Positiven 🙂

Fazit

Insgesamt bin ich mit dem Objektiv zufrieden. Ich weiß worauf ich achten muss, habe aber dafür ein kompaktes Objektiv mit großer Brennweite. Ergänzt mit dem RF 35mm 1.8 halte ich es für eine sehr starke Kombination im Urlaub und werde wohl auch bei den nächsten Reisen darauf setzen 🙂

Welche Informationen fehlen euch noch zum Objektiv? Schreibt mir in den Kommentaren eure Fragen und auch eure Erfahrungen, falls ihr das Objektiv selbst habt.

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